Fangquoten Ostsee für 2020

Fischer in Seenot

Moin liebe Fischfreunde,
vorab: der folgende Beitrag zu den geplanten Fangquoten in der Ostsee zeigt, wie wichtig es für uns Fischer ist, wenn Ihr direkt bei uns Euren Fisch einkauft. Von der Frische einmal abgesehen: mit jedem direkt gekauftem Fisch rettet Ihr die Fischer, indem Ihr Ihnen beim Überleben helft. Sind wir erst einmal weg, werdet auch Ihr nur noch industriell gefangenen Fisch bekommen, der gerne mal bis zu 12 Monate auf Eis lag.

(Veröffentlicht am 18.10.2019)

Fangquoten für 2020

Zum Thema Fangquoten: was nächstes Jahr auf uns Ostseefischer zu kommt, hat wohl jeder in den letzten Tagen bei der Berichterstattung zu den Fangquoten 2020 in den Medien verfolgen können. “Bei einem Treffen der EU-Fischereiminister wurde beschlossen, dass die erlaubte Fangmenge beim Hering um 65 Prozent und beim Dorsch um 60 Prozent gesenkt werden.”(Zitat NDR 1)

Es wird das Jahr des Umbruchs, der Pleiten, der Angst um die Existenz! Es werden viele Fischer auf der Strecke bleiben und die Häfen werden noch leerer werden. In Niendorf/Ostsee sind wir jetzt schon nur noch zwei Fischer.

Wenn man uns nicht will, dann muss es für uns Fischer Abfindungen in entsprechender Höhe geben! Wenn man Stell- und Schleppnetze sowie Langleinen nicht will, muss man uns Alternativen geben und nicht nur sagen, alles was wir Fischer machen, sei Mist! Doch es passiert nix!!

Subventionen

Wenn ich als Fischer 30 Tage lang den Betrieb zur Schonung der Bestände schließen muss – okay, das würde ich unter Umständen akzeptieren. Dann muss uns  Fischern aber ein Ausgleich in einer Höhe gezahlt werden, der ausreicht, um die Kosten für Versicherungen, Kredite, Angestellte und Wartungen aller Sachgegenstände in den Betrieben zu decken. Da reicht eine einmalige Zahlung von 5000 Euro bei weitem nicht.

Es ist wohl keinem der Entscheidungsträger klar, was ein Fischereibetrieb im Jahr erwirtschaften muss, um die Kosten zu decken. Bei vielen Fischern sind da 100.000 Euro schnell überschritten. Die meisten Ausgaben sind unumgänglich, wie gesetzlich vorgeschriebene Versicherungen, Lohnkosten, Unterhalt der Schiffe usw.

Auch wir müssen unsere Familien ernähren und Kredite abbezahlen. Wer erklärt unseren Kunden, dass sie öfter leer ausgehen, weil wir nix anbieten können? Sollte es in ein paar Jahren besser werden, kommen die meisten nicht wieder, weil sie ihren Fisch dann längst wo anders einkaufen und sich an die schlechtere Qualität gewöhnt haben. Wer weiß denn heute noch, wie frischer Fisch wirklich schmeckt?

Prognosen für 2020

Ich prognostiziere jetzt mal, was nächstes Jahr wahrscheinlich passieren wird:
Hering und Dorsch fallen aufgrund der Fangquoten fast weg, Unterstützung wird es nur in zu kleinem Umfang geben und alle Fischer werden anfangen, Plattfisch (Flunder und Kliesche) zu fischen, um über die Runden zu kommen. Da es für diese Arten aber nur minimale Beträge in Cent-Höhe gibt, werden alle Fischer versuchen, so viel wie möglich zu fangen, um die Kosten zu decken. Im Jahr darauf wird es dann logischerweise weniger Plattfisch geben. Das wäre nicht notwendig, wenn genug Geld von der EU und unserer Regierung in die Hand genommen werden würde, um uns Fischer in angemessener Weise zu entschädigen.

Darum sind regionale Produkte so wichtig!

Ich könnte hier noch einen netten Roman schreiben, aber ich habe mir erst einmal genug Luft gemacht.

Nur ein Wort noch an die Politik: es werden Millionen und Milliarden für jeden Blödsinn ausgegeben. Für die letzten Fischer sind den Politikern Subventionen um 5 Millionen scheinbar schon absurd viel. Dass davon jedoch auch die Bevölkerung profitiert, indem sie mit frischem Fisch versorgt wird und weniger Industrienahrung nutzen muss, wird nicht gesehen. Die Bevölkerung wird krank. Und wir Fischer sterben aus.

Danke an alle, die sich für unsere heimische Fischerei interessieren und gerne regionale Produkte kaufen.

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